Die Automotive Gewinner und Verlierer 2020

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende. Ein von der COVID-19 Pandemie geprägtes Krisenjahr. Ich habe für mich die Gewinner und Verlierer in der Automobilwelt identifiziert und dabei festgestellt, dass die Liste auch ohne COVID-19 genauso ausgesehen hätte. COVID-19 war nur Brennglas und Beschleuniger. Mir geht es bei der Liste nicht um Autos, Unternehmen und Persönlichkeiten, sondern mehr um grundsätzliche Technologien, Trends und die gefühlte Rückmeldung vom Markt und den Kunden. Bewusst überspitzt und provokant formuliert, soll dieser Artikel zur Diskussion anregen.

Die Gewinner:

Das Batterie-elektrische Fahrzeug BEV: hat sich mittlerweile weltweit durchgesetzt mit knapp 4% Anteil an den 2020 produzierten Fahrzeugen, mit viel Potenzial hinsichtlich Batterie-Technologieentwicklung, Reichweite und viel Arbeit hinsichtlich Lade-Infrastruktur und Ausbau der erneuerbaren Energie. Es ist nur eine Frage der Zeit, wenn der sogenannte „Tipping Point“ von 13-15% Marktanteil erreicht wird, danach wird das Wachstum exponentiell erfolgen. Dringend benötigt werden die Einstiegs-BEVs zu Preisen um €20.000!
Das Geschäftsmodell „Digitaler Mobilitätsanbieter“: ein „Smartphone auf Rädern“, vernetzt mit anderen Mobilitätsdiensten, immer online, mit Dienstleistungsangeboten Shared Mobility, eigenen Ladesäulen, eigener Lade-Infrastruktur bis hin zum eigenen Strom: alles aus einer Hand
Software: auch die letzten Maschinenbauer haben erkannt „Software sells Hardware“, Software wird das Differenzierungsmerkmal der künftigen Fahrzeuge sein, vom eigenen Betriebssystem bis hin zu regelmäßigen Updates „over the air“ und Kundenwünschen innerhalb von 6 Wochen umgesetzt!
Daten: steht für Autonomes Fahren, Konnektivität, Industrie 4.0, IoT, 5G, Künstliche Intelligenz KI, Machine Learning, Digital Twins … Denjenigen, denen es gelingt, Daten in großem Stil zu erfassen, analysieren, bewerten, speichern, vermarkten; mit Daten zu entscheiden, aktivieren, bezahlen… werden die Zukunft nicht nur der Mobilität bestimmen. Und es werden keine einzelnen Unternehmen sein, sondern Netzwerke und Kooperationen!
LinkedIn: hat sich zu einer ernsthaften Plattform für „content“ basierte wirtschaftliche-, wissenschaftliche und gesellschaftliche Themen etabliert. Auch angetrieben von sehr aktiven prominenten Mitgliedern wie Herbert Diess und Frank Thelen. Nicht selten ist LinkedIn die Quelle für Neuigkeiten auch aus der Automobilwelt!

Die Verlierer:

Der Verbrennungsmotor (sowohl Diesel, als auch Benziner): war über 110 Jahre das Antriebskonzept für die breite Masse, das Ende ist konkret absehbar; viele Staaten haben beschlossen, den Verbrennungsmotor ab 2035 zu verbieten. Es stellt sich die Frage, ob sich die Weiterentwicklung in komplexe Verbrennungs- und Nachbehandlungskonzepte bei der verbleibenden Laufzeit noch lohnen…
Das Geschäftsmodell „Automobilhersteller“: es reicht nicht mehr aus, für den globalen Markt ein Produktportfolio von Kleinstfahrzeugen bis hin zur Luxuslimousine, SUV oder Sportwagen zu entwickeln, zu produzieren und zu vermarkten. Auch eine bloße „Anreicherung“ von Plug-In Hybriden und BEV Varianten ins Portfolio reicht nicht!
Hardware: Das Auto aus Blech, Kunststoff, Leder, Gummi, Elektronik an sich steht nicht mehr im Mittelpunkt! Die Hardware muss sich zukünftig um die zentrale Software gestalten und nicht umgekehrt wie heute noch…
Marke: Die Marke eines Automobilherstellers an sich verliert an Wert! Nicht nur, dass immer neue Marken den globalen Markt bereichern, auch die Transformation von Hardware zu Software macht es einer Marke schwer, sich klar zu positionieren! Nur wenn die Transformation des Geschäftsmodells hin zum „digitalen Mobilitätsanbieter“ glaubhaft kommuniziert wird, kann eine Marke wertsteigernd eingesetzt werden.
Xing: hat versäumt, die eigene Plattform weiterzuentwickeln in Richtung Diskussion und Austauche von relevanten Inhalten, wirkt im Vergleich zu LinkedIn altbacken und verstaubt.

Das Jahr 2020 hat zwei Begriffe in den Mittelpunkt vieler Diskussionen gestellt, die nach „VUCA“, „CASE“ und „Disruption“ aussichtsreiche Kandidaten für das „Unwort des Jahres“ sind:

„Technologieoffen“: immer wieder zu hören im Zusammenhang mit den künftigen Antriebsformen: Verbrenner, BEV, Hybrid, Plug-In Hybrid, Wasserstoff (mit und ohne Brennstoffzelle), synthetische Kraftstoffe…. Unzählige Studien mit Vergleichen der Antriebsarten werden veröffentlicht, behaupten sie seien „neutral“, obwohl zahlreiche Annahmen getroffen wurden. Um es klar zu sagen: Der Automobilmarkt ist nicht technologieoffen! Märkte egal welcher Industrie sind nicht technologieoffen! Es setzen sich maximal zwei Technologien in der Masse durch, und es kommt dabei gar nicht auf die objektive, wissenschaftlich basierte beste Technologie an. Vor gut 110 Jahren hat sich der Verbrenner gegen die Elektroantrieb durchgesetzt, jetzt ist es umgekehrt! 1985 hat sich VHS klar gegen Betamax und Video 2000 durchgesetzt, obwohl nicht unbedingt die beste Technologie! Die Forschung und die Wissenschaft muss technologieoffen sein; die Automobilindustrie, die Hersteller und Zulieferer, aber auch die Politik müssen den Marktrend rechtzeitig erkennen und entscheiden / die Weichen stellen! Es gilt jetzt die batterie-elektrischen Antrieb technologisch voranzutreiben, die Infrastruktur bereitzustellen und den wachsenden Markt mit wettbewerbsfähigen Produkten, besser „Mobilitätslösungen“ zu bedienen! Neben der Antriebsform gibt es für die Automobilindustrie noch genug andere Themen (siehe Software und Daten!) zu bearbeiten.
„Ambidextrie“: die Kunst, die Industrieklaviatur beidhändig zu spielen. In der aktuellen Übergangszeit zwischen klassischer Automobilindustrie und künftiger digitalen Mobilitäts-Dienstleistern gilt es beide Bereiche so effizient und effektiv wie möglich zu bedienen: mit den Verbrennern möglichst viel Geld zu verdienen (=> „exploit“) und dieses Geld fokussiert in die neuen Technologien BEV / Software / Daten zu investieren (=> „explore“). Es gibt Unternehmen, die haben es verstanden die beidhändige Klaviatur zu spielen und andere, die tun sich (noch) schwer damit…
Ich wünsche Ihnen allen viel Spaß beim Diskutieren, nehmen Sie nicht alles so ernst, es ist mein subjektiver Jahresrückblick… Bleiben Sie gesund, ich freue mich auf die Herausforderungen in der Automobilindustrie im Jahr 2021!

Kann ich Ihnen in meiner Funktion als Interims Manager behilflich sein?

Nehmen Sie gerne Kontakt zu  mir auf.

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